Wer ist eigentlich Mara?

 
Die Geschichte der Mara vom Nikolassee begann eigentlich schon vor einigen Jahren, als ich begann, Mittelaltermärkte mit meine Kindern zu besuchen. Alle hatten Spaß, es war immer etwas Neues zu sehen und so kamen wir alle auf unsere Kosten.

Im Jahr 2008 wagte ich dann den nächsten Schritt. Ausgerüstet mit "mittelalterlicher " Gewandung zogen wir Anfang April für eine Nacht in das Fröhnerhaus im Kloster Altzella bei Nossen. Schnell merkten wir, dass ein Marktbesuch in Gewandung doch etwas ganz anderes war, als der übliche Touristenrundgang. Man kam schneller mit den Darstellern ins Gespräch, alle wirkten irgendwie lockerer.

      

Zürückblickend muss ich gestehen, dass mein damaliges erstes Kleid nicht wirklich mittelaltertauglich war, dennoch war ich damals richtig stolz auf mein "Schnäppchen" von ebay. Weitere Märkte folgten. Jedoch begann ich, mir Gedanken um die Kleidung zu machen und nähte meine ersten Versuche.

Im September 2008 traf ich auf Burg Rabenstein eine Truppe, die sich Societas Causa Ioci (Bündnis des Spaßes wegen) nannte. Wir verbrachten einen lustigen Nachmittag miteinander und tauschten Telefonnummern aus, um miteinander in Kontakt zu bleiben.

    
 
Das Schlüsselerlebnis jedoch hatte ich auf einem kleinen Markt in Neuruppin im Oktober 2008. Meine Eltern und ich schlenderten gemütlich als Tagesgäste um die Kirche herum, als plötzlich ein Templer neben uns erschien und folgende Frage an meinen Vater, der einen hellen Mantel mit einem roten Tatzenkreuz trug, stellte:
 
 
"Was stellst Du eigentlich dar?"

Ich gebe zu, die Frage war durchaus berechtigt. Mein Vater, der mit seinem eisgrauen Vollbart, der weinroten Tunika und der passenden Kopfbedeckung doch eher wie ein Sarazene wirkte, trug den Mantel mit den Ordensinsignien dieses Bruders. Ein Fauxpas! Mein Vater war aber glücklicherweise recht schlagfertig und meinte, er hätte den Mantel vor Akkon gefunden. Muss wohl noch von der Eroberung liegen geblieben sein...
 
   

Die Geschichte endete damit, dass uns noch am gleichen Abend von eben jener Lagergruppe der Mantel abgekauft wurde.
Einen Tag später saßen meine Eltern und ich am PC und recherchierten alt - und mittelhochdeutsche Namen. Meine Kinder konnten sich selbst entscheiden und wählen die altdeutschen Versionen ihrer Vornamen. Auch meine Mutter konnte ihren zweiten Vornamen verwenden. Ich hatte keinen. So suchte ich mir zwei Namen aus, die mir gefielen und ließ meine Kinder wählen. Einstimmig fiel die Wahl auf Mara  - der Zusatz "vom Nikolassee" resultierte aus unserer Wohngegend. Auch für meinen Vater war schnell ein Name gefunden: Rashid  (der Gelehrte) al-Amadi (der freundliche Begleiter).

      
 
Wenige Tage darauf saß ich in der Universitätsbücherei in Dahlem. Der Plan, eine kleine Geschichte unserer mittelalterlichen Darstellung für meine Eltern als Weihnachtsgeschenk aufzuschreiben, war schon kurz nach dem Besuch des Neuruppiner Marktes in mir gereift. Sollte noch einmal jemand die bewußte Frage stellen, könnten wir zumindest alle mit der gleichen Story antworten.

Wochenlang verbrachte ich meine freie Zeit entweder in der Bücherei oder bis spät in die Nacht am Rechner. Die Geschichte wuchs, nur Dank des vielen mir zur Verfügung stehenden Materials in eine Richtung, die mir zu Anfang nicht bewußt gewesen war. Das Resultat war ein kompletter Roman mit mehr als 600 Seiten, der die Pilgerreise der Mara vom Nikolassee aus dem Brandenburgischen ins Heilige Land in den Jahren 1243/44 beschreibt.
 

Seit April 2009 bin ich auf den Märkten in und um Berlin zu finden. Mit eigenen Zelten, einer mittlerweile kleinen, aber unkomplizierten Gruppe von Mitstreitern (contubernium) reisen wir umher und haben schon viele angenehme Lagergenossen erlebt. 

             
 
Das Mittelalter bestimmt mehr oder weniger meine Freizeit. Bin ich nicht auf den Märkten, sitze ich zu Hause und nähe, sticke oder webe an meinen Brettchenborten. Auch das Wissen über hochmittelalterliche Kleidung hat sich seit April 2008 sehr verändert. Einige Bücher könnte ich sehr empfehlen, leider sind sie teilweise nur schwer erhältlich. Ein Vertreter der sog. "A"-Fraktion bin ich nicht geworden, dazu ist mir meine Nähmaschine zu heilig. Dennoch versuche ich zumindest in Schnitt, Stoff, Verzierung und Assessoirs eine möglichst detailgetreue Nachbildung einer hochmittelalterlichen Adligen nachzuempfinden. Kenner der Szene mögen mir einige Schnitzer verzeihen, ich bin jedoch jederzeit dazu bereit, dazu zu lernen.

PS: das erste Kleid, welches ich in Nossen trug, bin ich bei ebay auch wieder an einen glücklichen Käufer losgeworden.


Hier bin ich demnächst zu finden:
 
05.-07.06.2015 Burg Brandenburg

19.-21.06.2015 Kaiserpfalz Tilleda
letzte Aktualisierung:
 
verkaufe Gewandungen auf ebay! Siehe Text!

Mara im TV:

31.08.2013 um 18:00 Uhr auf RBB
Link zur Mediathek hier auf der HP




 
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