Herstellung einer hochmittelalterlichen Cotta


Um hochmittelalterliche Kleidung herzustellen muss man sich bewußt machen, dass im 13. Jahrhundert das Schneiderhandwerk, so wie wir es heute kennen, noch nicht verbreitet war. Häufig wurde die Kleidung von Frauen für den Eigenbedarf hergestellt. Stoffe, die oft in mühevoller Handarbeit (Woll- und Leinenstoffe) entstanden bzw. teuer im Handel mit den Kreuzfahrerstaaten eingekauft wurden (Seidenstoffe, Brokate, Baumwollstoffe) wurden möglichst so zugeschnitten, dass wenig Verschnitt übrig blieb. Da Männer- und Frauenkleidung vom Schnitt her wenig unterschiedlich war, möchte ich hier am Beispiel einer handgenähten Cotta vorstellen, wie ein Kleidungsstück hergestellt werden konnte. Diese Abhandlung entspricht lediglich meinem Kenntnisstand und erhebt keinerlei Anspruch auf Authenzität. Quellen hierzu findet man im laufendenText bzw. in meiner Bibliothek.

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hochmittelalterliche Cotta

Der Stoff und Schnitt:

Für die Herstellung der Cotta benötigte ich 2,50 m Stoff. Ich habe mich für einen hellblauen, leichten und sommerlichen Stoff entschieden, der aus einem Gemisch (50% Schurwolle/ 50% Seide) in Panamabindung bestand. Panamabindung ist eine besondere Form der Leinwandbindung. Der Unterschied besteht darin, dass bei einer Leinwandbindung jeweils ein Schuss- und ein Kettfaden im Webvorgang verwoben werden. Bei einer Panamabindung kreuzen gleichzeitig mehrere Schussfäden mehrere Kettfäden. Eine Quelle zu historischen Webbindungen findet Ihr hier.

Für den Schnitt wurde ich von anderen Darstellern (Danke an Ruth von der Marca brandeburgensis) auf folgende Quelle verwiesen.

Ich entschied mich für "Nockert Typ I".



Bei einer Stoffbahnbreite von knapp 52 cm bleib genug Stoff, um sowohl vordere als auch seitliche Geren einzusetzen. Die Ärmel wurden etwas verkürzt und am Ende mit einer perlenbestickten Seidenborte versehen.

Der Zuschnitt:



Zuschnitt: Stoffbreite 1,50 m, Stofflänge 2,50 m
Saumumfang am Ende: 3,70 m durch eingesetzte Geren
Der Stoff, der übrig bleibt (hier dunkelblau) kann z. Bsp. für einen Almosenbeutel verwendet werden.


Die Nähtechnik

Einen Überblick über mittelalterliche Nähtechniken bekommt man hier.
An den Säumen und am Halsausschnitt wurde der Stoff 2-fach umgelegt und mit einem Überwendstich sowie einem Steppstich versäubert. Geren sowie einfache Nähte: Die Stoffbahnen wurden mit einem einfachen Heftstich verbunden (Nahtzugabe ca. 1-1,5 cm) und anschließen die Schnittkanten zweimal umgeschlagen und mit einem Überwendstich sowie einem Steppstich versäubert. Ich gebe zu, das Einsetzen der vordern und hinteren Geren sowie das Versäubern des Kragenausschnittes ist eine Fummelarbeit, für die man sehr viel Geduld und Fingerspitzengefühl benötigt. Hat man es aber erst einmal geschafft, sind Nähte entstanden, die auch einer Waschmaschine stand halten (meine haben den Wollwaschgang zumindest ohne Auszufransen überstanden.)

Cotta Hochmittelalter


Ärmelstickerei

Cotta Hochmittelalter Geren
vordere Gere von links

Cotta Hochmittelalter Geren
hintere Gere von links

Cotta Hochmittelalter Armkeil
Ärmelansatz mit Armkeil von links


Cotta Hochmittelalter Armkeil
links: Einsatz der seitlichen Geren, rechts daneben
quadratischer Armkeil, Aufnahme von links
 
Insgesamt habe ich an der Cotta etwa 50 Stunden genäht (incl. Zuschnitt und Stickerei). Alles in allem also ein Aufwand, den man überschauen kann.
Reine Materialkosten:
Stoff: 27,00 €
Nähgarn: 2,00 €
Perlen: ein paar Cent
Borte: Reststück eines Seidenbrokats

Und so sieht sie dann angezogen aus:



Weitere Anregungen zur Fertigung einer Tunika oder eines einfachen Kleides
findet Ihr hier.


Hier bin ich demnächst zu finden:
 
05.-07.06.2015 Burg Brandenburg

19.-21.06.2015 Kaiserpfalz Tilleda
letzte Aktualisierung:
 
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Mara im TV:

31.08.2013 um 18:00 Uhr auf RBB
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